Warum eine gute Beziehung oft durch guten Sex entsteht

Viele behaupten, dass Sex nicht das Wichtigste in einer Beziehung sei und dass solange alles andere funktioniere, es oberflächlich sei, ständig über das Körperliche zu reden. Tatsächlich scheint es aber einen kausalen Zusammenhang zwischen Beziehungsfrust und Sexmangel zu geben und die Wahrheit ist, dass nichts gut läuft, wenn es im Bett nicht gut läuft. Bei Problemen in der Beziehung wählen Paare oft die sprachliche Ebene, um sich einander anzunähren. Die körperliche Ebene ist aber ebenso denkbar. Durch Formen des nonverbalen Näherkommens kann man das alte Schema des Streitens, Angreifens und Abwehrens verlassen. Sex ist die unmittelbarste Kommunikationsform zwischen zwei Menschen und somit kann Sex als das schnellste Medium bezeichnet werden. Wer seinen Partner durch Sex bestätigt und wertschätzt, kann sich sicher sein, gehört zu werden. Die Körpersprache gilt als unmissverständlich und steht nicht unter Verdacht, unehrlich zu sein. Während man in Worten Verstellung vermutet, vermutet man in Taten Wahrheit.

Körperlicher Kontakt ist ein Seismograph der Liebe und nicht selten der einzige, den beide Partner gleichermaßen ernst nehmen. Häufig zeigt sich die Krise, die ein Paar hat, am Sex. Bei vielen Paaren ist Sex das erste worauf sie verzichten, wenn der Tag stressig war. Zudem ist Sex auch das erste was ausbleibt, wenn die Leidenschaft nach ein paar Jahren nachlässt und mit jedem weiteren Beziehungsjahr weiter schwindet. In zahlreichen Studien und Umfragen wird versucht zu ermitteln, wie hoch die Durchschnittsfrequenz der Deutschen ist. Die Ergebnisse reichen von einmal pro Woche über zweimal die Woche bis hin zu alle zweieinhalb Tage. Den meisten der Befragten ist dies alles zu wenig und Männer sowie Frauen wünschen sich mehr Sex mit ihrem Partner. Es stellt sich die Frage, was Paare daran hindert, die Sex-Life-Balance zu schaffen, die sie sich wünschen. Was spricht dagegen, mal mit der Hand nach seinem Partner zu tasten statt nach der Fernbedienung? Liegt es vielleicht daran, dass man glaubt, man könnte den Sex, den man sich vorstellt, nicht in der Beziehung realisieren? Widersprachen sich eventuell das romantische Liebesideal und die eigene Sexfantasie so stark? Trotz der Befreiung von gesellschaftlichen Dogmen tut sich die Mehrheit dennoch schwer, zu seinen sexuellen Bedürfnissen zu stehen. Dabei wird Sex von der Natur belohnt, indem das Glückshormon Dopamin ausgeschüttet wird. Das Ergebnis ist eine positive Aufgeregtheit. Sex ist also nichts anderes als ein wunderbarer Vollrausch, der süchtig und auch verliebt macht. Durch die Ausschüttung des Hormons Oxytocin scheint die Natur dafür zu sorgen, dass man mit diesem Partner zusammen bleibt. Forscher der Neuropsychologie sind sich inzwischen sicher, dass Oxytocin  Menschen emotional aneinander bindet. Es erzeugt ein Gefühl von Zuneigung und Verbundenheit. Oxytocin wird nicht nur beim Sex, sondern auch beim Kuscheln, Streicheln und Küssen frei gesetzt.

Das Tückische am Sex ist, dass wenn man ihn mal nicht hat, man trotzdem Nähe herstellen kann, ohne dass gleich die Liebe darunter leidet. Studien haben jedoch ergeben, dass Paare, die einmal angefangen haben, seltener als vorher miteinander zu schlafen, die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs später nicht wieder erhöhen. Folglich gilt: Kaum Sex führt zu noch weniger Sex. Zum einen, weil der Körper die Libido an die tatsächliche Frequenz anpasst, zum anderen, weil die Partner sich Ersatzverwirklichungen, wie zum Beispiel im Beruf, suchen. Schwierig wird es, wenn sich die sexuelle Flaute zu einer Blockade entwickelt und beide Partner für das erste Mal seit Wochen etwas ganz Besonderes erwarten und den Sex deshalb immer weiter aufschieben. Zu hohe Erwartungen könnten auch der Grund sein, dass die Frequenz im Laufe der Jahre abnimmt. Zu Beginn war alles reizvoll und der Sex entstand spontan und war leidenschaftlich. Wer diesen Sex weiterhin in einer langjährigen Beziehung erwartet, wird zwangsläufig  enttäuscht werden. Es gilt also, den Wandel in der Beziehung zu akzeptieren und den Sex in die neue Phase hinüberzuretten. Auch wenn der Sex zu wenig einfallsreich, zu langsam oder zu hektisch ist, wenn er nur kurz dauert oder nicht zum Höhepunkt führt, es gilt: Auch schlechter Sex ist guter Sex! Nicht die Qualität sondern die Quantität enthält ein Urteil über die Beziehung.

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