Was die Liebe krisenfest macht

Wie kann es sein, dass einige Menschen über Jahre hinweg in einer glücklichen Beziehung leben und andere immer wieder scheitern und anscheinend nicht den richtigen Partner finden? Wie funktioniert die Liebe, welches sind die Ressourcen, die eine Liebe stärken und welche Kräfte wappnen ein Paar gegen Krisen? Im Folgenden sollen die wichtigsten Faktoren beschrieben werden, die Erfolg für eine lange Beziehung versprechen.

Noch vor wenigen Jahren beschäftigten sich Forscher fast ausschließlich mit dem, was Paare belastet. Es ging also um Schwächen, Risiken und Defizite, im Zentrum der Aufmerksamkeit standen Konflikte. Das Konfliktverhalten der Partner in einer Beziehung galt als entscheidend für die Dauer und Zufriedenheit einer Partnerschaft. Heutzutage kann man eine Hinwendung zum Positiven konstatieren, es geht in erster Linie um Ressourcen, Bindungskräfte und Reperaturmechanismen in einer Beziehung. Man hat herausgefunden, dass ob und wie sie Paare streiten überraschend wenig damit zu tun hat, wie zufrieden sie in ihrer Beziehung sind.

Es stellt sich jedoch die Frage, wie es Paaren gelingt, trotz aller Stressfaktoren ihre Verbindung zu schützen. Worin besteht das Geheimnis dieser Krisenfestigkeit? Warum schaffen es die einen, sich nach einer gemeinsam durchlebten Krise wieder aufzurappeln, und die anderen nicht?
In der Literatur zur Paarforschung gibt es kaum einen Risiko- oder Schutzfaktor, der noch nicht untersucht wurde. So weiß man, dass Katholiken stabilere Beziehungen haben als Protestanten und Ostdeutsche stabilere als Westdeutsche. Attraktive Menschen haben nicht mehr, aber auch nicht weniger Glück in der Liebe. Und schwierige Menschen haben in der Regel auch schwierigere Beziehungen. Des Weiteren gilt es als erwiesen, dass je ähnlicher sich zwei Partner sind, die Beziehung umso glücklicher ist. Gerechtigkeit bei der häuslichen Aufgabenverteilung gilt als klarer Resilienzfaktor. Wenn Männer in einer Beziehung auch öfter mal kochen oder putzen, sind die Paare insgesamt glücklicher. Auch geteilte Freizeit schützt vor Trennung, gerade bei Paaren mit Kindern. Je mehr ein Paar trotz Kinder seine Zeit auch mal zu zweit verbringt, desto besser läuft es in der Beziehung. Liebe ist eine Tätigkeit und in Verbindung zu bleiben heißt schlichtweg etwas zusammen zu machen.

Natürlich sollte an dieser Stelle auch erwähnt werden, welche Rolle Sex für eine glückliche Beziehung spielt. In der ersten Phase der Verliebtheit liegt der durchschnittliche Sex eines Paares deutlich höher als in den darauffolgenden Jahren. Die sexuelle Umtriebigkeit lässt im Laufe der Partnerschaft also zuverlässig nach, was auch seine Funktion hat. Die Verliebtheitsphase ist nötig, um die Partnerschaft aufzubauen, aber danach muss auch Energie für andere Aufgaben vorhanden sein. Die Paarbeziehung schützt sich selbst, indem sie alltagskompatibel wird und mit weniger Sex auskommt. Auffallend ist, dass in Partnerschaften nur ca. ein Drittel aller erotischer Wünsche der Männer erfüllt werden. Bei Frauen sind es gut die Hälfte ihrer Wünsche, die in der Beziehung nicht erfüllt werden. Wichtig für ein ausgefülltes Sexleben ist es also, dass man in einer Beziehung offen über seine Wünsche und Fantasien spricht.

Es stellt sich nun aber die Frage, ob eine gute Beziehung unbedingt guten Sex braucht, oder ob es eher anders herum ist, dass eine gute Beziehung eben guten Sex mit sich bringt. Dies ist  ein typisches Henne-Ei-Problem der Paarforschung. Es scheint so, dass Zufriedenheit im Bett tatsächlich zu mehr Zufriedenheit in der Beziehung führt. Dagegen hat die Zufriedenheit mit der Beziehung keinen Einfluss auf die sexuelle Zufriedenheit. Guter Sex kann somit als ein Resilienzfaktor betrachtet werden, der dabei helfen dürfte, Enttäuschungen auf anderen Gebieten wegzustecken.

Wie steht es nun mit Seitensprüngen oder Affären in einer Beziehung? Seitensprünge sind nun einmal der häufigste Grund für Trennungen. Wie kann es sein, dass es dennoch Paare gibt, die Seitensprünge tatsächlich verkraften? Welche Faktoren geben einer Liebe die Wiederstandkraft, die dafür nötig ist? Die Bereitschaft zu vergeben muss dabei an erster Stelle angeführt werden. Das klingt im ersten Moment banal, ist aber sehr kompliziert. Es geht nicht um ein leichtfertiges Vergeben und Vergessen, sondern um die bewusste Entscheidung, etwas zu überwinden. Es geht um die Selbstreinigung von unguten Gefühlen wie Rache, die sich oft über Jahre hinweg angestaut haben. Je näher sich zwei Menschen aufeinander einlassen, desto mehr Enttäuschungen entstehen. Oft werden daraus offene Rechnungen, die man als Schuldscheine der Liebe bezeichnen könnte. Die Bereitschaft zu vergeben beinhaltet, seinem Partner diese Schulden endgültig zu erlassen.

Was sich als Fazit festhalten lässt, ist dass es in einer Beziehung gewisse Spielregeln gibt. Eine Partnerschaft kann mit einer Pflanze verglichen werden. Kümmert man sich nicht genug um sie, dann geht sie ein. Wenn eine Partnerschaft gedeihen soll, dann müssen sich beide Partner auch darum kümmern und in die Beziehung investieren.

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