Was Frauen und Männer angeblich wollen
David Buss, ein amerikanischer Psychologe, der Mitte der 1980er Jahre beweisen wollte, dass das Verhalten und die Interessen von Männern und Frauen verschieden sind. Dabei ist dieser Unterschied nicht sozial oder kulturelle zu sehen, sondern biologisch. Buss befragte über mehrere Jahre hinweg 10047 Menschen aus 30 verschiedenen Kulturen im Hinblick darauf, was sie am jeweils anderen Geschlecht begehrten. 1989 wurde die Studie veröffentlicht und die stellt bis heute das umfangreichste Datenmaterial zu der Frage, nach welchen Kriterien Menschen in aller Welt ihre Sexualpartner auswählen und mit wem sie eine längere Bindung eingehen wollen, dar. Das Ergebnis der Studie entsprach in vollem Umfang der Vermutung, die Buss von Anfang an gehabt hatte: Egal ob am Polarkreis oder im Wüstenzelt- die Vorlieben der Menschen bei der Partnerwahl gleichen sich überall. Unterschiede gibt es nur zwischen den Geschlechtern. Wer jedoch dem gleichen Geschlecht angehört, der favorisiert auch die gleichen Vorzüge beim anderen Geschlecht. Für Männer bedeutet dies, dass sie ihre Sexual- und Bindungspartnerinnen nach dem Kriterium der Fitness wählen. Männer wollen junge, schöne Frauen mit vollen Lippen und glatter, straffer Haut, sie wollen klare Augen, glänzendes Haar, einen guten Muskeltonus, eine günstige Körperfettverteilung, einen federnden Gang, einen bewegten Gesichtsausdruck und ein hohes Energieniveau. Der Grund dafür liegt darin, dass all diese Faktoren Fruchtbarkeit signalisieren. Es ist also egal wo die Männer leben oder wie alt sie sind: Im Prinzip ticken alle Männer gleich. Dieses Prinzip beruht auf der Annahme egoistischer Gene. Demnach möchte ein Mann unbedingt seine Gene in ein weibliches Wesen injizieren. Aus nachvollziehbaren Gründen ist es jedoch für viele Männer eine gruselige Vorstellung, ungezählte Kinder zu haben, für die sie keine Verantwortung tragen können und die losgelöst von ihrem Erzeuger ihr Schicksal fristen. Es gibt also wichtigeres als die Vermehrung der Gene. Dass Männer in aller Welt an Frauen sehr ähnliche sexuelle Attribute schätzen, wie die Umfrage von Buss zeigt, kann nicht ganz falsch sein. Eine kanadische Studie kam jedoch Anfang der 1990er Jahre zu einem ganz anderen Ergebnis. Die kanadischen Forscher untersuchten die Schönheitsideale in 62 Kulturen. Laut der Untersuchungen hat das von den evolutionären Psychologen allgemein vorausgesetzte Schönheitsideal, dass Frauen schlank sein sollen, eher Seltenheitswert. Bei der Hälfte der untersuchten Kulturen galten dagegen dicke Frauen als attraktiv. Bezeichnenderweise scheinen Männer auch in der westlichen Welt in Zeiten von Hungersnöten und Krankheitsepidemien eher molligere Frauen favorisiert zu haben, wenn man zum Beispiel an die Gemälde des Barock denkt. Es müsste zudem geklärt werden, warum viele Männer beim Sex Attribute der Fruchtbarkeit suchen, die in Wirklichkeit gar keine sind, wie zum Beispiel ein großer Busen. Es stellt sich weiterhin die Frage, was ein Mann mit einem Fruchtbarkeitsattribut anfangen will, wenn er zwar Sex sucht, aber unbedingt verhindern will, dass die Frau schwanger wird. Es bleibt ein Rätsel, warum Männer in aller Welt offensichtlich einen tendenziell ähnlichen Frauengeschmack haben, wenn sexuelle Gier, Bindungswille und die Absicht der Zeugung völlig unterschiedliche Dinge sind, die nur selten zusammentreffen.
Die Befragung von Frauen hat ergeben, dass Frauen die weitaus komplizierteren Spezies sind. Frauen bevorzugen etwas ältere, wohlhabende, mächtige, gesunde und starke Männer. Gleichzeitig sind Frauen jedoch auf der Suche nach einem Paradox. Sie suchen einen Mann, der sowohl treu und lieb brutpflegend ist wie auch testosterongesteuert, allseits begehrt und verwegen. Diesen Typ Mann gibt es jedoch nicht! Folglich kann es kein Mann den Frauen recht machen. Zu den hartnäckigsten Mythen der evolutionären Psychologie gehört weiterhin die Vorstellung, dass Symmetrie das möglicherweise wichtigste Kriterium für die Partnerwahl der Frau darstellt. Je symmetrischer ein Gesicht und ein Männerkörper ist, desto anziehender wirken Männer auf Frauen. In Bezug auf die psychischen und gesellschaftlichen Vorzüge von Männern ist die Studie von Buss zu dem Ergebnis gekommen, dass die wichtigsten Kriterien bei Männern für Frauen Freundlichkeit und Intelligenz sind. Niemand möchte verständlicherweise einen schlecht gelaunten und zudem noch dummen Partner. Ein Grund hierfür mag sein, dass Frauen der Meinung sind, dass ein freundlicher Partner eher bereit ist eine Familie zu gründen und in diese zu investieren.
Als erstes Fazit lässt sich festhalten, dass viele Männer einen im weiten Sinne ähnlichen Frauengeschmack haben und viele Frauen einen im weiten Sinne ähnlichen Geschmack bei Männern. Zahlreiche Ausnahmen bestätigen diesbezüglich die Regel. Die meisten Menschen lieben attraktive, lustige, freundliche und intelligente Partner. Jede weitere Verallgemeinerung ist spekulativ und auch gefährlich. Es gibt Frauen genauso wie Männer, die sich immer wieder für den falschen Partner entscheiden. Es gibt Menschen, die andere Menschen sexuell sehr attraktiv finden, aber dennoch nicht mit ihnen zusammen leben möchten. Es gibt sehr spezielle Vorlieben für Charakterzüge und körperliche Details. Es gibt Männer, die ältere Frauen lieben, und Frauen die jüngere Männer lieben. Es gibt Menschen, die sich in todkranke Menschen verlieben und diese heiraten. Somit kann es keine allgemeingültige Regel geben, was Männer und Frauen angeblich wollen.





